Wenn der Taxifahrer zweimal klingelt

Den Vatertag nutze ich auch als Nichtvater gerne, um mit meinen Kumpels auf Tour zu gehen. Da unsere Kanutour aufgrund des schlechten Wetters förmlich ins Wasser gefallen war, entschieden wir uns in diesem Jahr für eine Wanderung. Diese gestaltete sich schwieriger als erwartet und daher hielt sich der Alkoholkonsum verhältnismäßig in Grenzen. Das wollten wir danach in der Kneipe während des Spiels der deutschen Nationalmannschaft nachholen.

taxischild

Tatsächlich war ich für mehr als ein paar gemütliche „Feierabendbiere“ viel zu erschöpft. Man wird eben auch nicht jünger. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen war es ein schöner und verdammt lustiger Tag. Zum Abschluss gönnte ich mir ein Taxi und fiel dann todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich, als hätte ich mindestens zwei Fässer Bier getrunken und dabei noch den Mount Everest bestiegen. Soviel zum Alter. Zum Glück arbeite ich von zuhause aus und kann mir meine Arbeitszeit frei einteilen. Also wälzte ich mich noch eine Weile im Bett und meinem Selbstmitleid herum. Dann klingelte es plötzlich an der Wohnungstür.

Wer konnte das sein? Besuch erwartete ich nicht, daher war es wahrscheinlich die Post oder irgendein Idiot, der mir etwas aufschwatzen wollte. Das konnte ich jetzt überhaupt nicht gebrauchen. Also drückte ich meinen Kopf wieder ins Kissen. Doch der unbekannte Besucher gab nicht auf und klingelte noch einmal, diesmal Sturm. Langsam begann mir das Ganze auf die Nerven zu gehen. Da ich ohnehin auf die Toilette musste, beschloss ich mich aufzuraffen. Ich drückte den Türöffner und zog mir schnell etwas über.

Ich malte mir schon aus, wie ich einen Vertreter zusammenstauchen würde, als ein Typ die Treppe hochkam, der überhaupt nicht in mein Schema passte. Ein leicht korpulenter Mann mit wallender blonder Löwenmähne. Mit seinen Jeans und dem speckigen T-Shirt sah er nicht wie ein Vertreter aus. Von der Post war er auch nicht und erstaunlicherweise kam er mir bekannt vor.  Kaum erblickte er mich sagte er schon ohne Begrüßung:

Na junger Mann! Haben wir gestern vielleicht etwas vergessen?

Dabei hielt er mir mein Portemonnaie entgegen. Völlig perplex starrte ich abwechseln auf ihn und meinen Geldbeutel. Dann erkannte ich ihn wieder. Es war der Taxifahrer. Anscheinend hatte ich mein Portemonnaie gestern in seinem Wagen vergessen. Und ich hatte nicht einmal bemerkt, dass es weg war. Mehr als zehn Euro Trinkgeld wollte der Taxifahrer nicht annehmen und dann war er auch schon wieder verschwunden.

Mir blieb nur Dankbarkeit. Für mein Glück und natürlich auch für den Taxifahrer. Nicht nur dafür, dass er mein Portemonnaie zurückgebracht, sondern auch dafür, dass er mich „junger Mann“ genannt hatte. Denn so habe ich mich in diesem Moment nicht wirklich gefühlt.

Foto: © Andreas Morlok / PIXELIO

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15 Kommentare zu “Wenn der Taxifahrer zweimal klingelt”

  1. Ja ja der liebe Filmriss, aber wenn man gerade wach wurde wie soll man da denn auch an sein Portemonai denken ;)
    Das nenn ich doch mal einen Anständigen Taxifahrer
    cu an other time
    on an other place

    der bagalutenGregor

  2. rundumkiel sagt:

    Ein Hoch auf diesen Taxi-Fahrer!!! Super Typ! Alle Blogger in Köln sollte nur mit ihm fahren… er hat es verdient. Ich finde, dass sind so Geschichten, die richtig gut tun… Na ja, jedenfalls wird Herr Fulano wohl doch nicht nur müde, sonder wohl auch duhntüddeligdösig gewesen sein…. oder???

  3. Tarik sagt:

    Wow, da hast du vermutlich aber wirklich Glück gehabt.

    Mag ja sein, dass viele das beim Fundbüro oder sonstwo abgeben, da es ja sein könnte, dass du dich an das Kennzeichen oder ähnliches erinnert.
    Aber dass der Fahrer sogar noch bei dir zu Hause vorbeifährt?
    Vermutlich hast du für die gestrige Fahrt mehr als 10 € bezahlt…

  4. Tobi sagt:

    Finde ich toll, dass sich der Taxifahrer so um dich gekümmert hat. Das ist nicht immer selbstverständlich.
    Guter Mensch war das.

  5. Sven sagt:

    Na das finde ich wirklich nett von den Taxifahrer. So etwas nennt man wohl Kundenbindung und das mit dem Geldbeutel kann einen doch an so einen Tag auch mal passieren, da ist es schön wenn man es zurück bekommt ;-)

  6. admin sagt:

    @bagalutenGregor
    Also einen Filmriss hatte ich nicht. Aber ein Schock war es trotzdem.

    @rundumkiel
    Nicht nur ein, sondern viele Hochs auf den Taxifahrer. Ja und scheinbar war ich tatsächlich etwas duhntüddeligdösig. Dabei hatte sich sogar meine Frau beim Nachhausekommen gewundert, wie nüchtern ich war/wirkte

    @Tarik
    Tatsächlich war es fast genau der Preis, den ich auch am Abend bezahlt hatte. Ich hätte aber auch mehr bezahlt.

    @Tobi
    Ja, ein guter Mensch. Schön, dass es so etwas noch gibt! Die Welt ist also noch nicht ganz schlecht.

    Gruß
    Fulano

  7. Tobi sagt:

    Wenn es mir also wieder schlecht geht, fahre ich nach Köln und steige in das von dir beschriebene Taxi ein. :)

  8. admin sagt:

    @Tobi
    Ja, genau. Eigentlich sollte der Mann mit Foto in jedem Reiseführer abgebildet werden!
    Gruß
    Fulano

  9. Dr. Borstel sagt:

    Beeindruckend, zudem Taxifahrer ja nun nicht unbedingt überbezahlt sind.

  10. admin sagt:

    @Dr. Borstel
    Und ich hatte deutlich mehr als 100 Euro im Portemonnaie. Ich war wie gesagt auch ziemlich beeindruckt.
    Gruß
    Fulano

  11. Martina sagt:

    Wow, das ist aber kundenfreundlich. Aller Achtung, schön, das es noch ehrliche Mitmenschen gibt *g*

    Erst dachte ich nämlich, Du hättest die Zeche geprellt und er käme zum Abrechnen, lol.

    Nette Geschichte
    Gruß Martina

  12. admin sagt:

    @Martina
    Erst einmal willkommen bei mir. Ich frage mich nur gerade, welchen Eindruck ich bisher hinterlassen habe. Wenn Du gleich davon ausgehst, ich hätte die Zeche geprellt. ;-)
    Gruß
    Fulano

  13. Martina sagt:

    Nur den besten Eindruck!

    Nett bei Dir
    Martina

  14. admin sagt:

    Na dann bin ich ja beruhigt. :mrgreen:
    Gruß
    Fulano

  15. Kulturschock sagt:

    Zum Glück waren nicht die Zeugen Jehovas!!!

    LG
    KS

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Fulanos Worte

sind unpolitisch, aber nicht immer unparteiisch. Ich schreibe über Dinge, die mir auffallen, gefallen und manchmal auch missfallen. Das ergibt ein buntes Sammelsurium meiner Gedanken. Kommentare dazu sind erwünscht.