Die Dominikanische Republik und ihre eiskalten Präsidenten

presidente

Meine erste Anreise nach Santo Domingo gestaltete sich aufgrund mangelhafter Planung stressig. Flüge in die Dominikanische Republik gab es zwar günstig, aber eben nicht in die Hauptstadt. Also flog ich nach Sosua an der Nordküste der Karibikinsel. Nach flüchtigem Kartenstudium hatte ich für die Busfahrt zur Südküste ungefähr drei Stunden eingeplant. Daraus wurden aber fünf, plus den vier Stunden, die ich verloren hatte um die Busstation zu finden und auf die Abfahrt zu warten.

Als Ergebnis kam ich, statt wie geplant am frühen Abend, gegen 22:30 in Santo Domingo an. Die Stadt hieß mich mit einem flächendeckenden Stromausfall willkommen, was den ersten Eindruck nicht unbedingt freundlicher gestaltete. Passend zu meiner Laune gab es keinerlei Taxis am heruntergekommenen und nur notdürftig beleuchteten Busterminal.
Freundlicherweise bot mir der Busfahrer an, mich gegen Bezahlung zu meiner Unterkunft zu fahren. Er war ungefähr so groß wie Arnold Schwarzenegger, nur dunkler und muskulöser. Eine breite Narbe auf seiner rechten Wange rundete das Bild ab.

Die Alternative war alleine an der Station zu warten, also stieg ich in den völlig durchgerosteten Toyota. Eduardo, so hieß mein neuer Freund, ließ sich von der Dunkelheit nicht abhalten und raste trotz Dunkelheit mit Vollgas durch die Stadt. Ich hoffte, dass er in die richtige Richtung fuhr und dass wir heil dort ankommen würden. Als ich endgültig sicher war, dass Eduardo mich in einer verlassenen Gegend ausrauben wollte, bog er noch zweimal um die Ecke und wir waren tatsächlich in der kolonialen Altstadt. Zielstrebig brachte er mich zu dem Wohnhaus der Sprachschule, bei der ich meine Spanischkenntnisse erweitern wollte.
Alleine hätte ich es nie gefunden. Er ließ es sich auch nicht nehmen, meinen Rucksack zu schleppen und wollte erstaunlich wenig Geld.

Völlig fertig verstaute ich mein Gepäck auf dem Zimmer. Ich brauchte jetzt ganz dringend was zu trinken. Weil mittlerweile der Strom und damit die Straßenbeleuchtung zurückgekehrt war, traute ich mich auf die Straße und steuerte zielstrebig die nächste Bar an. Trotz später Stunde war ich aufgrund der feuchten Hitze völlig durchgeschwitzt und freute mich auf ein eiskaltes Bier.
Die führende Biermarke der Dominikanischen Republik heißt Presidente, womit es vermutlich das einzige Land ist, das mehr Präsidenten als Einwohner besitzt.

Lässig bestellte ich also Una Presidente grande. Die weibliche Form deshalb, weil la cerveza im Spanischen weiblich ist. Darüber hatte ich mich im Gegensatz zu anderen Dingen ausgiebig im Vorfeld informiert. Die Flasche war von einer leichten weißen Eisschicht überzogen. Vestido de novia, angezogen wie eine Braut, wie es die Dominikaner poetisch bezeichnen.
Genauso hatte ich es mir seit Stunden ausgemalt. Im Weggehen sagte der Kellner noch etwas. Ich verstand nur:

Das … nicht vergessen.

Dazu machte er eine Handbewegung, die für mich eindeutig mit männlicher Masturbation assoziiert ist. Völlig übermüdet dachte ich nur: Selber Wixer!
Ich nahm die wunderbar kalte Flasche und schüttete das Bier ins Glas, wo es sich prompt in eine Art Eisgelee verwandelte. Fassungslos starrte ich auf das Glas. Der Kellner war so höflich, kein Ich habe es Dir doch gesagt Gesicht zu machen.

Wie ich im Laufe des Abends erfuhr, kühlen die Dominikaner ihr Bier bis unter den Gefrierpunkt. Teilweise ist es so kalt, dass es bei Kontakt mit Sauerstoff sofort gefriert. Um das zu vermeiden, reibt man dort ein paarmal wärmend über den Flaschenhals.

Mir ist es jedenfalls nie wieder passiert. Da masturBier ich lieber.

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13 Kommentare zu “Die Dominikanische Republik und ihre eiskalten Präsidenten”

  1. Schonzeit sagt:

    und wieder was gelernt. Danke. Sehr schöne Geschichte

  2. Ich sags ja immer wider,
    Andere Länder andere Sitten.
    Andere Länder andere Titten.
    cu an other time
    on an other place

    der bagalutenGregor
    PS: MasturBier nicht soviel :) LOL

  3. Erbeere sagt:

    Tollen Titel hast du für deinen guten Bericht gewählt. Eiskaltes Bier? Ihh, als nicht Biertrinkerin würde mich das weniger stören, aber als “Trinker” ist man doch eine angenehmere Temperatur gewöhnt, lol. Auch bei MasturBier, denke ich mir ;-)

    So noch eins zum Schluss: in der DomRep versteht man scheinbar was von Dienstleistung, großes Lob, Unbekannterweise.

    Deine Wikio-Freundin Erdbeere

  4. Dr. Borstel sagt:

    Aber Vorsicht, von zu viel MastuBieren kann man blind werden! Von Potenzproblemen mal ganz abgesehen.

  5. admin sagt:

    @schonzeit
    Ja, man lernt nie aus ;-)

    @bagalutenGregor
    Weise Worte

    @Erdbeere
    Willkommen bei mir und entschuldigung, dass ich bei dem Namen an Tutti Frutti denken muss ;-)
    Schön, dass es Dir gefällt.

    @Dr. Borstel
    Von dem Kater am nächsten Morgen ganz zu schweigen. :mrgreen:

    Gruß
    Fulano

  6. Tarik sagt:

    Sei doch froh, dass es nicht so wie in England ist, wo man glaubt, die hätten dir das Bier vorher erwärmt…

    Mal ganz abgesehen davon, dass das Bier selbst wenn es dann doch einmal kühl ist, irgendwie nicht wirklich schmeckt…

    • admin sagt:

      Ach, ein kaltes Ale kann ich hin und wieder schon trinken. Nur Guinness schmeckt für mich wie kalter Kaffee. Sieht ja auch genauso aus. :-)
      Gruß
      Fulano

  7. Mac_BetH sagt:

    Habe ich bis dato auch noch nicht gehört: MastuBIERendes Bier!

    Sachen gibt es! Klasse!

    Gruß
    Matthias

  8. Thomas sagt:

    Haha masturBier doch ma in der Öffentlichkeit. Ja die Domrep. Da erlebt man die abenteuerlichsten Dinge. Das Problem mit dem Bier kenne ich, wobei in den Hotelanlagen bekommt man es ja nur von dem Fass gezapft. Aber so ein Biergelee zum löffeln ist doch auch sehr lecker ;-)
    Was eher gefährlicher ist, wenn man das eiskalte Zeug zu schnell in der Hitze trinkt. Dann bekommt man einen ganzen bestimmte Form von einem Fall.
    Aber ich hätte jetzt nichts dagegen in dieser Domingo ein kühles Bier zu trinken.
    Viele Grüße
    Thomas

  9. AndiBerlin sagt:

    Ob die das bei Cola auch machen, das extreme runterkühlen? Muß ich doch wissen, für den Fall das es mich mal dahin verschlagen sollte.
    Ach, ich bleibe dann lieber bei meiner kalten Milch. Da muß dann auch nirgends geschubbert werden um anzuwärmen oder so.

  10. admin sagt:

    @Thomas
    Die Hotelanlagen haben mit der wirklichen DomRep wenig zu tun. Biergelee schmeckt übrigens ziemlich widerlich :-(
    Zu schnell trinken ist übrigens auch in der Kälte gefährlich, das musste ich gerade wieder feststellen. Trotzdem würde ich jetzt auch gerne ein kühles Bier in Santo Domingo trinken.

    @AndiBerlin
    Die Cola ist zwar auch eisekalt, aber auch ohne masturBieren zu genießen. Kalte Milch ist in der Tat ein sehr leckeres Getränk. Geschubbert wird dafür aber auch. Wie soll die Milch sonst aus der Kuh kommen :mrgreen:

    Gruß
    Fulano

  11. [...] in die Dominikanische Republik. Darauf werde ich mir zum Abschluss heute noch den ein oder anderen masturBierenden Presidente gönnen Vielleicht auch spannend, weil irgendwie ähnliche Artikel:Wo ich jetzt lieber wäre [...]

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sind unpolitisch, aber nicht immer unparteiisch. Ich schreibe über Dinge, die mir auffallen, gefallen und manchmal auch missfallen. Das ergibt ein buntes Sammelsurium meiner Gedanken. Kommentare dazu sind erwünscht.