Alleine jubeln ist doof!

Public-Viewing ohne Unterstützung

Gestern habe ich mit Freunden, Bier und Emotionen den deutschen Sieg über unseren alten Erzfeind England genossen. Eben so, wie es sich gehört.

In der letzten Woche war ich allerdings in Tarifa, im Süden Spaniens in Urlaub. Es war wirklich toll und ich kann Tarifa als Reiseziel nur weiterempfehlen und werde das in den nächsten Tagen auch tun. Um voller Emotionen die WM zu schauen, ist Tarifa aber völlig ungeeignet.

jubel

Ihr kennt das sicherlich. An nahezu jedem Urlaubsort auf der Welt gibt es mindestens eine dieser deutschen Kneipen mit einem riesigen Warsteinerschild und deutschem Essen, um zu futtern wie bei Muttern. Sowas brauche ich ja nicht einmal zuhause und noch weniger im Urlaub. Nur zum Fußballgucken ist so ein Laden ideal, schließlich trifft man dort mit hoher Sicherheit auf Gleichgesinnte die mitfiebern.

Aber wie das nun mal so ist. Kaum brauchte ich für das Spiel gegen Ghana mal eine deutsche Kneipe, war nirgendwo eine zu finden. Also habe ich versucht irgendetwas anderes Stimmungsvolles zu finden. Aber da war nichts zu machen. Entweder gab es doch einen geheimen Ort, an dem sich alle Deutschen vor Ort heimlich zum Public-Viewing versammelt hatten, oder es gab in ganz Tarifa keine fußballbegeisterten Deutschen.

Letztlich habe ich mir das Spiel dann in einem mexikanischen Restaurant angeschaut. Dabei kam ich mir mit meinem Trikot ziemlich verloren vor. Nicht weil sonst niemand dagewesen wäre. Um mich herum pulsierte das spanische Leben. Der kleine Platz rund um das Restaurant war gut besucht, nur für das Spiel der Deutschen interessierte sich außer mir niemand so richtig. Was für weite Teile des Spiels übrigens durchaus verständlich war. Doch dann endlich setzte Özil zum Torschuss an und machte das erlösende Tor.

Zumindest erlöste er mich und ich schrie meine Freude heraus. Dann sprang ich auf, drehte mich um und jubelte noch einmal schreiend in Richtung des Platzes und der anderen Restaurants. Ohne ernsthaft darüber nachzudenken erwartete ich, dass mich irgendein Fremder umarmt, mit mir abklatscht oder sich wenigstens mit mir freut. Doch nichts dergleichen. Stattdessen starrten mich alle an wie ein Auto! Einige ältere Herren in Spanientrikots sehen sogar ziemlich missmutig aus.

Selten ist bei mir Freude so schnell verflogen. Zuhause jubeln ist eben doch am Schönsten.

Foto: © S. Hofschlaeger / PIXELIO

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19 Kommentare zu “Alleine jubeln ist doof!”

  1. Babel sagt:

    Ohje hört sich wirklich nicht so schön an! Aber unschöner wär doch bestimmt gestern in nem englischen Pub mit deinem Tricot gewesen? Besonders nach dem “2:2″ ^^

  2. Babel sagt:

    ohje…. Trikot natürlich -_-

  3. Marc sagt:

    Lach… stelle mir die Situation gerade bildlich vor :-)
    Na ja, zuhause kann auch fein sein – aber in einer Kneipe oder vor einer Leinwand hierzulande – das ist schon eine sensationelle Stimmung!
    Vielleicht ja kommenden Samstag auch bei dir?

  4. Sven sagt:

    Das hört sich wirklich nach einer traumatischen Erfahrung an. Umso schöner, dass Du das gestrige Spiel angemessen zelebrieren konntest… ;-)

    Nach dem, was ich mitbekommen habe, haben es die Engländer echt sportlich genommen. Ich glaube bei der Sun habe ich die schöne Schlagzeile “Three Lions Muller-ed By The Germans” gelesen.

    Zum Zeitpunkt des 2:2 wäre ich allerdings auch ungern auf der Insel gewesen. Aber bei dem deutlichen Ergebnis war es glücklicherweise nicht spielentscheidend – und auch mit dem Tor hätten sie das Spiel IMHO niemals gewonnen.

    Ich wüßte aber zu gerne, wie viele Menschen gestern gemeinsam eine Zeitreise nach Wembley 1966 unternommen haben. Klar, jeder halbwegs fußballinteressierte Deutsche und Engländer ohnehin. Aber wie viele Menschen haben gestern dieses Spiel gesehen oder gehört und zum selben Zeitpunkt exakt den gleichen Gedanken gehabt? Ob da eine Millarde Erdenbürger zusammen kommen?

    Auf jeden Fall war es zu schön… *träum*

    Bis denn,
    Sven

  5. Tarik sagt:

    Na schön… :P

    Da habe ich es ja besser.
    In einem so fanatischen Land wie diesen fiebern alle mit.
    Toll, aber spätestens beim nächsten Spiel scheint sich dann das Blatt zu wenden:

    Argentinien gegen Deutschland sollte man als Deutscher vielleicht nicht unbedingt in Argentinien ansehen… :D
    Ich werde es trotzdem machen; mein nächster Artikel könnte also dann live aus dem Krankenhaus kommen. :P

  6. Erdbeere sagt:

    *Brüll* das ist ja mal so richtig doof gelaufen!

    Stelle mich Dir gerade bildhaft vor, wie Du im Triko unter lauter nichtfußballbegeisterten Menschen, die Arme in die Höhe schmeißt… zu köstlich, kicher!

    Sommerlicheabendgrüß
    Erdbeere

  7. WTF? Warsteinerschild? Lieber Köpi … alles andere kann man doch kaum trinken .. ^^ ;)

  8. Spanksen sagt:

    Yeah, dat ist doch mal ein “Public Viewing” ;-)

  9. Dani sagt:

    @sohneinesschwaben
    Dann hast wohl noch nie ein lecker herrliches Herforder oder Krombacher in der Hand gehabt – dann weeste wat ein leckeres Bierchen ist :)

    @Artikelschreiber
    Eine interessante Art des Public Viewing – sei froh, dass du keine Engländer getroffen hast – ich glaub die wären dir Stock sauer an den Hals gegangen

  10. admin sagt:

    @babel
    Ja, die Engländer währen da wohl weniger freundlich gewesen. Da hätte ich mich wohl aber auch beherrscht.

    @Marc
    Mit zuhause meinte ich auch Deutschland und nicht unbedingt das Familienwohnzimmer ;-)

    @Sven
    Ob man auf eine halbe Milliarde kommt weiß ich nicht, da ich die Gesamtzuschauerzahl nicht kenne. Aber von denen, die es gesehen haben, dachten bestimmt zwei Drittel daran.
    Und die Engländer haben es in der tat extrem sportlich genommen. Da kann man ihnen nichts vorwerfen.

    @Tarik
    Dann pass besser gut auf ;-) Andererseits ist es mit Sicherheit auch ein geniales Erlebnis, das Spiel in Argentinien zu sehen. Darfst halt nich zu sehr die Klappe aufreißen, nachdem wir gewonnen haben ;-)

    @Erdbeere
    Ich glaube, einen Film davon hätte man auch prima vermarkten können. Vor allem mein blödes Gesicht.

    @sohneinesschwaben
    Für mich als Kölner klingt das alles grausig. Daher trinke ich im Urlaub eigentlich immer lokales Bier.

    @Spanksen
    Na ja. Ich war zwar in “public”, aber “geviewt” habe ich alleine.

    @Dani
    Willkommen bei mir. Bei Deinem Biergeschmack halte ich dann mal raus. Da bin ich als Kölner vorbelastet ;-)
    Was die Engländer angeht. Es war ja das Ghana-Spiel und da bestand keine große Gefahr von gegnerischen Fans ;-)

    Gruß
    Fulano

  11. rundumkiel sagt:

    Das stimmt: Zu Hause ist Fußballgucken wirklich am schönsten… Wir haben das 1/8-Finale in Wien gesehen. Im Hotelzimmer – völlig kaputt von der Stadt… Aber dieses Spiel hat mich aufgeweckt – keine Frage… Also: Viele Grüße aus Wien!!! (Kann ich ebenfalls sehr empfehlen – ideal für Kurztripps…

  12. Tarik sagt:

    @Fulanos Worte: Keine Sorge, ich werde mich zurückhalten, solange die Argentinier sich auch ein bisschen zurückhalten, was ich aber ein bisschen bezweifel… :D

  13. Coralita sagt:

    Und die Moral von der Geschicht’? Im Ausland fiebern – passt dann nicht. ;-)
    Liebe Grüße aus Berlin!
    Coralita

  14. Robert Hähr sagt:

    Erstmal Respekt für deinen Mut in Spanien so Trikot zu zeigen und dann noch zu jubeln.
    DIe Spanier waren nur sauer, weil wir ihnen die EM geschenkt haben, oder wie ist zu erklären das der kleinste Verteidiger der Welt gegen Torres ran mußte…

  15. admin sagt:

    @rundumkiel
    Ich war während der EM 2008 zwei Wochen beruflich in Österreich. Allerdings in Klagenfurt und da war der Name Programm :-(

    @Tarik
    Das möchte ich auch sehr bezweifeln ;-)

    @Coralita
    Willkommen bei mir. Wobei Ausland immer relativ ist. In der Bundesliga sind ja quasi schon andere Städte Ausland ;-)

    @Robert Hähr
    Mut war das jetzt nicht unbedingt. Ich habe mich ja schließlich nicht irgendwelchen spanischen Ultras gezeigt ;-)

    Gruß
    Fulano

  16. Einerseits freu ich Fußball muffel mich ja für die Deutsche Elf und ihre Fans, Aber dadurch das sie ins Virtelfinale gekommen sind muss ich mir ja jetz doch mindestens ein Spiel der Deutschen Elf antun. Hab mir aber sagen lassen das Radio ne Feine Sache ist so wie 54 nech. Denn zum Public Viewing (tolles Wort “Leichenschau” in dem Zusamenhang) bekommen mich keine Zehn Pferde. Da sind mir einfach zuviele unter wegs die Nationalstolz dafür missbrauchen ihren Rassismuss raushängen zu lassen. Nix gegen Fähnchen und Trikots. Ich stehe selbst jedesmal auf wenn die Nationalhymne gespielt wird und singe mit, wie gesagt ich hab nix gegen Nationalstolz und wenn die Heimische Manschaft gewinnt darf man sich ja auch für sie freuen. Aber deswegen ist Rassismus trotzdem nicht Salonfähig, wundere mich aber eh wie diese Typen es aushalten mit Klose, Podolski Özil und wie die alle sich nennen. Die einen Deutschen Pass haben super Fussball spielen aber aus deren sicht ja keine Deutschen sind . Naja dann muss ich wohl für Samstag nen Radio rauswühlen …

    cu an other time
    on an other place

    der bagalutenGregor

  17. CONeal sagt:

    Das ist echt hart. Niemanden da zu haben, der die Begeisterung teilt. Käm mir auch verdammt doof dabei vor einfach “ignoriert” bzw doof angeschaut zu werden.
    Naja jetzt bist du wieder da, also wird alles besser :)

  18. admin sagt:

    @bagalutenGregor
    Ich glaube Du siehst das ganze Thema zu ernst. Wie Du nschon beschrieben hast, ist unsere Nationalelf so zusammengesetzt, dass Nationalstolz und Rassismus in diesem Fall nicht kompatibel sind.

    @CoNeal
    Ja, jetzt wird alles gut. Wir müssen nur die Argentinier weghauen.

    Gruß
    Fulano

  19. DAS IST SOOO HART, FULANO!!!!

    Mein tief empfundenes Beileid.

    Du hast was verpasst. -Irgendwie-

    Ich möchte zur Zeit nirgendwo anders sein, als in der Nähe von Köln.
    Vorallem sind die Deutschen ja nicht besonders beliebt im Ausland, und wenn die deutsche Nationalmannschaft so gut spielt, steigert es die Sympathie auch nicht wirklich.

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sind unpolitisch, aber nicht immer unparteiisch. Ich schreibe über Dinge, die mir auffallen, gefallen und manchmal auch missfallen. Das ergibt ein buntes Sammelsurium meiner Gedanken. Kommentare dazu sind erwünscht.