Vom Problem, weiß, männlich, deutsch, heterosexuell und glücklich zu sein
Donnerstag, 09. Dezember 2010Ich bin weiß, männlich und habe einen deutschen Pass. Außerdem habe ich viele Freunde, bin heterosexuell und noch dazu glücklich mit meiner Frau verheiratet.
Das hört sich nicht wie ein Problem an und grundsätzlich ist es das auch nicht. Sonst wäre ich auch nicht so ein zufriedener Mensch. Doch all das kann zu einem Problem werden und zwar dann, wenn es darum geht, etwas über andere Menschen zu schreiben oder zu sagen, was witzig oder sarkastisch ist. Denn irgendwie scheint es in dieser Beziehung eine Hierarchie zu geben, in der nur in eine Richtung ausgeteilt werden darf.
Dafür muss man sich nur einmal schwarze, politisch korrekt natürlich afroamerikanische Comedians ansehen. Die machen gerne und erfolgreich Witze über Weiße, die man auch so nennen darf, obwohl sie, um im gleichen Sprachgebrauch zu bleiben, eigentlich Euroamerikaner heißen müssten. Die erwähnten Comedians bezeichnen sie stattdessen wenig charmant als Weißbrote. Man stelle sich stattdessen einen weißen Comedian vor, der Witze über Afroamerikaner macht und sie noch dazu als Schwarzbrote bezeichnet.

