Drogen und Springmesser in Köln-Mülheim
Sozialer Brennpunkt Wiener Platz
Der Wiener Platz bei mir um die Ecke ist nicht gerade der Treffpunkt der High-Society, sondern eher ein Sammelbecken für Alkoholiker, Drogenabhängige und heruntergekommene Personen aller Art. So kann es schon einmal vorkommen, dass ich Sonntagsmorgens der Einzige bin, der am Kiosk eine Zeitung und keinen Schnaps kauft. Allerdings ist Köln-Mülheim auch nicht die Bronx. Normalerweise hat man vor den Gestalten die dort herumhängen keine Angst, sondern hat eher Mitleid mit ihnen. So wie mit der Frau, die mich jetzt seit zwei Jahren jedesmal fragt, ob ich Geld für einen Kaffee habe und Sommer wie Winter die gleichen Klamotten trägt.
In manchen Fällen ist es auch eher Verachtung, aber Angst habe ich dort eigentlich nie. Nur einmal war das anders. Es war ein schöner Sommertag und ich wartete am Wiener Platz auf meine Frau, die mit der U-Bahn dort ankommen wollte. Nachdem sie mich informiert hatte, dass es ein wenig später werden würde, beschloss ich, mir eine Zeitung zu kaufen. Die Frau vor mir kaufte keinen Schnaps, sondern eine Süddeutsche Zeitung und etwas Süßes für ihre Tochter. Vielleicht ist der Wiener Platz ja doch nicht so schlimm, dachte ich erfreut.
Dann setzte ich mich auf eine der treppenförmig angelegten Sitzmöglichkeiten und genoss den Sonnenschein. Weil es auf dem Wiener Platz nichts Interessantes zu sehen gab, vertiefte ich mich in meine Zeitung. Erfahrungsgemäß hilft eine Zeitung vor der Nase nicht unbedingt dabei, den Überblick zu behalten. Vor allem nicht, wenn man sie extra hochhält, um nicht von der Sonne geblendet zu werden.
So auch in diesem Fall. Daher traf es mich ziemlich unvorbereitet, als plötzlich ein Finger die Zeitung in der Mitte herunterdrückte und direkt vor meiner Nase ein vom Leben gezeichnetes und durch mangelnde Körperhygiene nicht schöner gewordenes Gesicht auftauchte.
Dementsprechend war auch der Atem des Mannes als er sich noch weiter zu mir herüber beugte und geheimnisvoll flüsterte:
Ey Du, willst Du Drogen kaufen?
Völlig überrumpelt erwiderte ich:
Bitte was? Drogen?
Genau!
Abgesehen von seinem schlechten Atem fand ich die Situation bis zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich witzig. Irgendwie erinnerte mich der Kerl an Schlemihl aus der Sesamstraße, der Ernie immer Buchstaben verkaufen will.
Fröhlich erklärte ich, dass ich keine Drogen wolle und er nahm ohne zu diskutieren seinen Finger wieder aus meiner Zeitung. Erleichtert atmete ich tief durch, was weniger mit Angst, als mit der besser gewordenen Luftqualität zu tun hatte. Doch das sollte sich schnell ändern. Denn schon wurde die Zeitung in der Mitte wieder heruntergedrückt. Diesmal benutzte er dafür allerdings nicht seinen Finger, sondern ein Springmesser, dessen Klinge zum Glück nicht ausgefahren war. Doch kaum erreichte es die Höhe meines Gesichts ließ er die Klinge herausspringen, die im Gegensatz zu ihm perfekt gepflegt war. Jetzt bekam ich es doch ein wenig mit der Angst zu tun. Ich beschloss vor allem, Ruhe zu bewahren und abzuwarten, was er fordern würde. Scheinbar endlose Sekunden vergangen. Genau wie ich schien er Mut zu sammeln, für das was kommen würde.
Und dann war sie wieder da, die Stimme von Schlemihl aus der Sesamstraße:
Oder brauchst Du vielleicht ein Messer?
Völlig überrascht verneinte ich die Frage. Daraufhin zog sich Schlemihl schnell und diskret zurück. Ich war zwar verdutzt, aber eigentlich ist genau das Köln-Mülheim. Manchmal etwas heruntergekommen, aber eigentlich nicht gefährlich. Eben nicht Beverly Hills, aber auch nicht die Bronx.
Foto: © Wrv / PIXELIO
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Tags: Alkoholiker, Drogen, gefährlich, Köln, Mülheim, Schlemihl, Schnaps, Sesamstraße, sozialer Brennpunkt, Springmesser, Wiener Platz, Zeitung


Wollte der nicht immer einen Schneemann verkaufen??? Buchstaben oder Zahlen sind mir gar nicht mehr in Erinnerung…
Aber dein Erlebnis ist ja mal schauderig! Auf dem Platz möchte ich nicht alleine rumlaufen!
Ja, der wollte viel verkaufen. Auch mal ein Stopschild

Und so schlimm ist der Platz nun wirklich nicht. Ich wohne seit mehr als 30 Jahren in der Nähe und so etwas ist mir nur einmal passiert. Außerdem hat der Platz den Vorteil, dass er Material für Blogbeiträge liefert. Hattest Du das Thema nicht gerade
Gruß
Fulano
Also ich glaub ich hätte mir vor Angst in die Bux gemacht
Und wollte der Ernie nicht ne Buddel voll Luft aufschwatzen?
cu an other time
on an other place
der bagalutenGregor
An die Zahlen kann ich mich nicht erinnern, aber an die Buchstaben umso mehr.
“Hey du, ja du! Willst du ein ‘e’ kaufen?”
“EIN E?”
“Psssssssssst!!!”
Den Wiener Platz kenne ich aus meiner Zeit in Köln auch noch. Deine Beschreibung kann ich von daher genau so unterschreiben. Die Ecke ist halt teilweise ein wenig heruntergekommen und “ungewöhnlich”, aber ich konnte selbst nachts ohne Bauchschmerzen durch Köln-Mülheim gehen. Da gibt es wirklich schlimmere Gegenden.
Wobei ich auf solche Erlebnisse, wie du sie schilderst, auch gerne verzichte
Erinnert mich irgendwie an meine Studienfahrt nach Barcelona, wo wir damals an jeder 2. Ecke von zwielichtigen Gestalten in gebrochenem Englisch Drogen angeboten bekommen haben. Die haben wir natürlich nicht gekauft, sondern unser Geld lieber in den Rotwein investiert
Ich konnte mich an soviele Sachen erinnern. Nur nicht, dass der Kerl Schlemihl heißt. Was ist das auch für ein Name?
Du hast also auch mal in Köln gelebt. Warum zur Hölle bist Du wieder weg
Aber schön, dass Deine Erinnerungen mit meinen Erlebnissen übereinstimmen.
Gruß
Fulano
War damals beruflich bedingt, dass es mich zurück in die Heimat gezogen hat. Aber obwohl ich Gladbacher war und bin, hab ich kein Problem damit, zuzugeben, dass es mir in Köln immer sehr gut gefallen hat. MG hat halt den Vorteil, dass ich hier dafür wieder ohne lange fahren zu müssen, guten Fußball zu sehen bekomme *duckundweg*
So tief kannst Du Dich gar nicht ducken
Hab mich kaputtgelacht. Wohne scheinbar nicht weit von Dir entfernt. Mir haben sie auf dem Wiener Platz zwar noch keine Drogen angeboten, aber ansonsten kommt mir das alles sehr bekannt vor
Dann willkommen bei mir. Du hattest es ja nicht weit
Ich wohn zwar etwas weiter weg, aber den Wiener Platz kenne ich auch, Und da gibt es eindeutig schlimmere Ecken in Kölle. Aber eine schöne Geschichte.
Ja der Wahnsinn. Sowas kann mir hier in unserem Vorort einer überschaubaren 45t Stadt nicht passieren. Da würde der jemand, der sich eventuell erdreisten würde mir die Zeitung runter zu drücken 14 Jahre alt sein und mich fragen ob ich vielleicht eine Kippe für ihn hätte! ;D
Ach jaaaa wie ich Köln lebe…dieses außerordentlich niveauvolle Klientel! Besonders der Wiener Platz, Chorweilen und Porz sind dafür bekannt.
Ein Genuß
ach Mensch…Liebe natürlich! rrrr
Ist doch toll. Du lebst und liebst die Stadt. So soll es sein.
Gruß
Fulano
Als du zu der Stelle kamst, als er “genau” sagte, musste ich sofort an die Sesamstraße denken und hab echt gelacht, als ich gleich darunter das Video fand. “GENAAAAAUUUU!”
“GENAAAAAUUUU!”
Man da kannst Du echt froh sein, das er Dir das Messer nur verkaufen wollte. Erinnert mich an die “Allesverkäufer” an den Touristenstränden.
Ansonsten gilt für den “Verkäufer” das Lied der Sesamstraße: “Wieso weshalb, warum, wer nich fragt belibt dumm.” – oder verkauft nichts.
Der hat aber ein vielfältiges Angebot, Business never personal
Ich sag´s doch immer: In Köln kannste ALLES kaufen.
Versuch das mal in Düsseldorf.
Da haben die Drogendealer nichtmal Drogen. Geschweige denn Messer…
Und dann? Zeitung wieder hoch und auf’s nächste (Überraschungs)angebot gewartet?
Oder doch erstmal den Abgang beobachtet? Gibt ja auch Leute, die kriegen da ‘nen Herzinfarkt
Sachen gibt’s….
Kurz geguckt ob er verschwindet habe ich schon. Dann habe ich weitergelesen und Angebote kamen auch nicht mehr.
Gruß
Fulano
Hmmm… mit einer Messerspitze vor der Kehle ruhig bleiben – das macht auch nicht jeder!
Na ja, an meiner Kehle war das Messer nicht. Und ich war nicht cool ruhig, sondern eher weil ich nicht wusste, was ich tun soll.
Quatsch natürlich bin ich immer supercool, da könnten die gesamten taliban kommen
Gruß
Fulano
hey
ja die frau die immer nach geld nach cafe fragt kenn ich auch immer im gleichen tonfall, die kleine frau mit den roten haaren ….
das mülheimechen mit seinen schönen wie schaurigen seiten… manchmal könnt ich kotzen und manchmal lieb ich es …so wie es ist …. seit 10 jahren (O; mein hobby ist es manchmal eine geheime zombi top 10 liste zu erstellen … aber da hat wieder keiner was von ist ja geheim . na ich ahb meinen spaß….. was mich grad noch viel mehr ankotzt wei die alkis oder asselspack ist der müll und die agresieven ignoranten gestalten die rumeiern . ich bin mama und ich will nich immer auf zugemüllte spielplätze gehen müssen !! ach jaaa
lg sinna
Schön, hier Mülheimer zu treffen und willkommen bei mir. Aber so ist unser Veedel wohl. Man liebt es und man hasst es gleichzeitig. Aber Duw eißt ja
“Et schönste wat mer han schon all die ….”
Gruß
Fulano
Ich bin froh dass ich bald hier wegziehe! Die Pennerfrau mit den roten Haaren fragt mich auch täglich nach 1 Euro! Die sollte mal einen Entzug machen und sich einen Job suchen, so wie 95% der Leute die hier wohnen! Klar, wer darauf steht täglich mit Pennern, Dealern und Asozialen zu tun zu haben, dann viel Spaß. Ich ziehe bald aus, aus Mülheim, und bin auch ziemlich froh darüber. Ich habe gemerkt, dass es hier kaum normale Menschen gibt. Mülheim macht Menschen zu Pennern Und ich hab hier schon vieles Erlebt. Raubüberfälle, Mordversuche, also wenn du sagst “Mülheim ist nicht die Bronx”, dann kennst du wohl noch nicht die richtigen Schattenseiten von diesem Drecksloch… Meiner Meinung nach sollte man ganz Köln Mülheim einfach abfackeln lassen, staatlich oder so, denn es ist das schlimmste Loch was ich jemals gesehen habe…
Mannomann, was geht denn mit Dir ab? Ich weiß nicht, was Du in Mülheim so machst, aber ich lebe schon mein ganzes Leben hier und mir passiert so etwas nicht.
Auf den Rest Deiner unqualifizierten Kommentare möchte ich nicht eingehen. Aber wenn Du sagst “Mülheim ist die Bronx” dann liegt das nicht daran, dass Du Mülheim besser kennst, sondern, dass Du offensichtlich noch nie in einer wirklich gefährlichen Gegend warst.
Aber vielleicht findest Du ja woanders Dein Glück.
Gruß
Fulano