Geschenke, Fressen und Saufen

Mein kleiner Beitrag zum Blog Adventskalender 2011, der auch in diesem Jahr netterweise wieder von Alex organisiert wurde.

Geschenke, Fressen und Saufen

Vor mittlerweile mehr als 2000 Jahren gebar eine Jungfrau ein Kind und ihren Mann störte es erstaunlicherweise nicht, dass er nicht der Vater des Jungen war. Noch erstaunlicher ist eigentlich, dass mit dieser Geburt der Grundstein für eine der größten Weltreligionen gelegt wurde. Obwohl ich katholisch getauft bin, habe ich mit Religion nicht viel am Hut. Mit religiösen Festen und Bräuchen noch weniger.

Bei Weihnachten ist das etwas anderes und damit bin ich eindeutig nicht allein. Schließlich feiern mittlerweile vermutlich mehr Menschen Weihnachten, als es überhaupt Christen gibt. Warum ist das so? Da gibt es natürlich die unbestrittene und oft kritisierte Kommerzialisierung des Festes. Zumindest in Deutschland hat man ja keine Chance mehr den Weihnachtsgeschichten, -angeboten und natürlich Glühwein und Weihnachtsmärkten zu entgehen.

Immer wieder höre ich, bei Weihnachten ginge es nur noch ums Fressen und Geschenke.

Selbst wenn das stimmt. Was ist so schlimm daran? Die meisten meiner schönen Weihnachtserinnerungen sind entweder mit dem einen oder dem anderen verbunden.

Da gab es dieses Weihnachten als Kind. Ich hatte mir ein Fahrrad gewünscht und war mir auch ziemlich sicher, es zu bekommen. Freudig erwartete ich die Bescherung. Geschenke gab es, aber kein Fahrrad. Danach fragten meine Eltern alle, ob sie denn zufrieden waren. Alle sagten freudig ja. Ich auch, obwohl ich innerlich beinahe geheult hätte. Wo war mein Fahrrad? Doch ich wollte den anderen das Fest nicht zerstören. Meine Mutter sah mich scheinheilig an und bat mich, das kaltgestellte Essen von der Terrasse zu holen.

Und dort stand es: Das tollste Fahrrad auf der ganzen Welt.

Einige Jahre später bekamen wir Kinder zusammen einen Amiga 500 geschenkt. Heute hat jedes Handy mehr Rechenleistung. Aber damals war der Amiga „der Computer“! In dieser Nacht bin ich als alle schliefen heimlich aufgestanden, um weiter „Emerald Mine“ zu zocken.

Später verloren die Geschenke an Bedeutung und das Essen wurde wichtiger. Ich weiß noch, wie ich gemeinsam mit meinem Bruder erstmals das heute schon traditionelle mehrgängige Menü am ersten Weihnachtstag zauberte. Wir meinten es gut. Zu gut, denn die Quantität jedes Ganges konnte es problemlos mit einem Hauptgericht aufnehmen. Doch alle aßen tapfer und dementsprechend verlief der weitere Abend ziemlich ruhig.

Vor zwei Jahren dann wurde Weihnachten zur Weinnacht. Ohne erkennbaren Grund leerten wir eine Flasche nach der anderen. Das Ende vom (Weihnachts-)Lied war eine wild durch den Raum tanzende Familie.

Geschenke, Fressen und ein wenig Saufen. Genau. Aber in jeder dieser und unzähliger anderer Erinnerungen kommen immer die vor, die ich liebe. Es sind ihre Geschenke und ich liebe es, sie zu beschenken. Sie essen, was ich koche und mit ihnen trinke ich. Und genau darauf kommt es an. Dafür muss man auch nicht an Jesus glauben.

Geschenke, Fressen und Saufen. Klingt zwar nicht sonderlich besinnlich, beschreibt es aber trotzdem recht gut.

Das nächste Türchen findet ihr hier , hier , oder vielleicht auch hier.