Die Polizei, mein Freund und Helfer

Diese Geschichte begann vor vielen Jahren, aber interessant wurde sie eigentlich erst in den letzten Wochen. Wie schlaue Köpfe der Überschrift schon entnommen haben, geht es dabei um mein Fahrrad.

Eben jenes steht normalerweise in der Durchfahrt unter unserem Haus ganz romantisch bei den Mülltonnen. Nicht verschlossen. Erstens, weil der Bereich durch ein Garagentor gesichert ist und zweitens weil ich mein Rad vor knapp zehn Jahren für einen Fuffi bei Ebay ersteigert hatte und ich mir nicht vorstellen konnte, dass jemand so ein schrottiges und auffälliges (dazu kommen wir gleich noch) Fahrrad klauen würde. Eine glatte Fehleinschätzung, wie sich vor ungefähr drei Wochen herausstellte.

Denn plötzlich war mein Fahrrad weg, mit anderen Worten gestohlen. Wann? Wie? Keine Ahnung. Jedenfalls stand es nicht mehr da wo es hingehörte. Ich beschloss nach kurzem Überlegen, dies nicht bei der Polizei anzuzeigen, da der einzige Beleg, dass dieses Fahrrad mir gehörte vermutlich im Zuge des letzten Umzugs vernichtet oder falsch einsortiert wurde. Deshalb erschien es mir sinnlos, mir die Mühe zu machen, um dann von meiner Versicherung kein Geld und dafür von der Polizei kein Fahrrad zurückzubekommen. Denn obwohl ich durchaus der Meinung war, dass die Einrichtung einer Sondereinheit „Fulanos Fahrrad“ und die prophylaktische Durchsuchung sämtlicher Gebäude im Umkreis von fünf Kilometern berechtigt wäre, hegte ich die traurige Befürchtung, dass die Polizei diese Meinung nicht teilte.

Mein Fahrrad war also weg und es traf mich zugegebenermaßen nicht allzu hart. Eigentlich freute ich mich sogar fast, mir endlich ein neues, besseres Fahrrad zu kaufen. Zumindest, bis ich am Dienstag gegen Mittag nach Hause kam und mein angeschlossenes Fahrrad entdeckte. Nicht da, wo es hingehörte, sondern fünf Häuser von unserem entfernt. Nicht so, wie es aussehen sollte, sondern mutwillig verziert (auch dazu kommen wir gleich). Aber es war eindeutig mein Fahrrad.

Was für eine Dreistigkeit! Ich hatte zwar schon mit meinem  Fahrrad abgeschlossen, aber als es dann abgeschlossen (Juhu, Wortspiel) nur ein paar Häuser weiter stand, ging das zu weit.

Meine ersten Gedanken waren, wenn auch nicht in der Reihenfolge: Waffe besorgen, auf den Dieb warten, ihn zwingen, das Schloss zu öffnen, ihn zwingen…..

Meine zweiten Gedanken waren: Erstens keine Zeit, zweitens bin ich Pazifist und drittens bin ich ein netter Kerl. Also versuchte ich es auf meine Art und Weise, kettete das Fahrrad auch noch mit meinen Schloss an und schrieb dem Dieb eine nette Nachricht.

Jetzt versteht Ihr auch vermutlich, was ich mit einem auffälligen Rad meinte. Und – darauf lege ich Wert – was mit den Verzierungen gemeint war.
Denn alles was an dem Rad rosa ist oder mit Hello Kitty zu tun hat stammt nicht vom mir, sondern vom Dieb!
Das Fahrrad war ja vorher schon ziemlich pornös, aber das geht wirklich zu weit.

Womit wir uns langsam dem Ende der Geschichte nähern, das allerdings nicht vom Räuber sondern vom Gendarm herbeigeführt wurde. Denn nachdem der Dieb zwei Tage lang nicht auf meine freundliche Aufforderung reagierte, beschloss ich doch die Männer in grün einzuschalten, die jetzt blau tragen. Die reagierten durchaus kooperativ und erklärten sich nach kurzer Erklärung der Lage bereit, das Schloss des Diebes zu knacken und mein Fahrrad vorübergehend in Gewahrsam zu nehmen.

Soweit, so gut. Allerdings gab es einen Haken. Um mein eingekerkertes Fahrrad wiederzubekommen, sollte ich in irgendeiner Form beweisen, dass es wirklich mir gehört. Die Polizisten waren wirklich sehr entgegenkommend und hätten auch ein Foto von mir und dem Fahrrad akzeptiert.

Notiz an mich: Mit dem nächsten Fahrrad werde ich einen Passbildautomaten besuchen.

Mit anderen Worten. Es gab kein Foto, keinen sonstigen Beleg und erstaunlicherweise trotzdem ein Happy End, denn am nächsten Morgen klingelte mein Telefon. Ein freundlicher Polizist erkundigte sich, ob ich einen Beleg finden konnte. Als ich traurig verneinte sagte er einfach nur:

Jemandem, der Dieben solche netten Nachrichten schreibt, muss man einfach glauben. Kommen sie einfach vorbei und holen sie sich ihr Fahrrad ab.

Was ich auch tat und mich nicht nur über mein wiederbekommenes Fahrrad freute.

Fast noch schöner war, dass es sich hin und wieder auszahlt, ein netter Kerl zu sein.

Foto: © Philipp Tekampe