Können Türken sich nicht integrieren?

Laut der Welt am Sonntag beweist dies eine Studie

Die Türkei ist der Gipfel ;-)

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Die Mehrzahl der rund 6,8 Millionen in Deutschland lebenden Ausländer ist einer Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zufolge gut integriert. Soll heißen, sie beherrschen die deutsche Sprache so gut, „dass sie das alltägliche Leben in Deutschland weitgehend problemlos bewältigen“. Die Ergebnisse dieser Studie geistern im Moment durch die deutsche Presse, vor allem nachdem sich die Welt am Sonntag diesem Thema gewidmet hat. Allgemeiner Tenor dabei ist:
Türken können sich nicht integrieren.

Tatsächlich sind die Zahlen alarmierend. Mehr als 15 Prozent der Türken, aber nur 7,6 Prozent der Griechen lebten von Hartz IV. Auch bei den Deutsch-Kenntnissen sieht es düster aus: Jeder 5. Türke, aber nur jeder 17. Italiener oder jeder 10. Pole beherrscht die Sprache nur mangelhaft oder gar nicht. Ebenfalls erschreckend ist, dass die Hälfte der Türken laut Studie zudem keine häufigen Kontakte zur deutschen Bevölkerung pflegt. Der Großteil der Italiener und Migranten aus dem früheren Jugoslawien gab hingegen an, mehrmals in der Woche freundschaftliche Kontakte zu Deutschen zu haben.

Aber Statistiken sind so eine Sache. Nehmen wir das Beispiel Hartz IV: Laut Statistischem Bundesamt beziehen 4,3 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland Hartz IV, aber 8,1 Prozent aller Migranten. Übrigens unter den Spätaussiedlern aus dem früheren Ostblock mit 28 Prozent deutlich mehr als unter den Türken, bei denen es laut den offiziellen Statistikern 19 Prozent sind. Erschreckend ist also schon einmal, dass Ausländer im Allgemeinen fast doppelt so oft auf Hartz IV angewiesen sind wie Deutsche. Auch der Prozentsatz der Türken ist natürlich viel zu hoch und dagegen muss eindeutig etwas getan werden.  Aber trotzdem ist es Polemik, höhere Zahlen aus offiziellen Statistiken zu ignorieren.

Gleiches gilt für die Bereiche Deutschkenntnisse und Kontakte zu Deutschen, die meiner Meinung nach zusammengehören. Schließlich ist die Fähigkeit, sich zu verständigen essentiell für einen ernsthaften Kontakt zwischen Menschen. Für die mangelnden Deutschkenntnisse vieler hier lebender Türken gibt es aus meiner Sicht eine logische Erklärung. Aber erst einmal ein Zitat dazu aus der Welt:

Auch die Neigung, unter sich zu bleiben, ist bei den Türken weitaus stärker ausgeprägt. Während Italiener und Jugoslawen bevorzugt in Wohngegenden ziehen, in denen überwiegend Deutsche leben, gilt dies für viele Türken nicht.

Das mag allerdings auch daran liegen, dass es in fast jeder deutschen Stadt ein türkisches Viertel gibt, aber nur selten ein italienisches oder jugoslawisches. Mal abgesehen davon liebe Welt, dass es schon eine ganze Weile keine Jugoslawen mehr gibt.

Hier in Köln ist es jedenfalls in mehreren Ecken möglich, sein Leben zu nahezu 100 Prozent auf Türkisch zu bestreiten. Ob Autokauf, Handyvertrag, Immobilien- oder Möbelkauf. Für alles gibt es einen Landsmann. Von Cafés, Supermärkten und Restaurants ganz zu schweigen. Italiener und Ex-Jugoslawen haben diese Möglichkeit nicht.

Ich persönlich glaube, dass dieser Isolierungseffekt automatisch auftritt, sobald eine ausreichende Zahl Migranten mit dem gleichen Herkunftsland vorhanden ist. Man denke nur mal an China-Town in New York oder die Latinoviertel in Miami.

Was lernen wir daraus? Türken haben tatsächlich Probleme bei der Integration, alle anderen aber auch. Ich persönlich habe nichts gegen türkische Viertel, auch wenn ich mich dort nicht mit allen unterhalten kann. Aber ich rede ja auch ansonsten nicht mit jedem, den ich auf der Straße treffe. Wichtiger als perfekte Sprachkenntnisse ist für mich, dass alle hier lebenden Migranten die Regeln und Grundlagen der deutschen Gesellschaft akzeptieren.

Denn Integration kann man nicht erzwingen. Aber man kann sie fördern. Zum Beispiel durch bessere Schulbildung. Denn wer mehr weiß und über eine ausgebildete Intelligenz verfügt, der gibt sich nicht mit einem eingeschränkten sozialen Umfeld zufrieden. Und ist außerdem eher bereit, andere Kulturen und Mentalitäten zu akzeptieren. Den Türken stattdessen ständig zu sagen, sie könnten sich nicht integrieren bringt uns in diesem Prozess aber nicht wirklich weiter.

Foto: © Günter Rupprich / PIXELIO

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10 Kommentare zu “Können Türken sich nicht integrieren?”

  1. rundumkiel sagt:

    Sehr schöner Beitrag. Türkische Viertel lassen sich nicht vermeiden – das muss auch überhaupt nicht sein. Ich kenne viele Türken, die sich super integrieren und trotzdem ihre eigene Identität behalten. Dagegen kenne ich auch eine ganze Reihe von Deutschen, die sich kein Stück in ihrem eigenen Land integrieren. Wenn ich als Deutscher in der Türkei eine Wohnung suchen würde, dann sicher in einer Gegend, wo auch andere Deutsche wohnen. Das ist doch vollkommen normal und hat nichts mit fehlendem Integrationswillen zu tun. Das Problem, wenn es denn eines gibt, steckt viel tiefer und daran sollte gearbeitet werden…

  2. Tobi sagt:

    Ich muss sagen, viele Ausländer haben es schwer sich zu integrieren. Das liegt manchmal aber auch am Alter. Mit 40 wirst du dich schwerer tun eine neue Sprache zu lernen als mit 10 oder 20 Jahren. ;)
    Doch ich bin auch froh, dass wir hier eine ganze Reihe von Ausländern haben. Durch solche Leute haben wir zum Beispiel Pizza-Läden, Döner-Läden oder indische Spezialitäten oder Autohändler.
    Man kann dann zwar immer rummeckern, dass die Türken sich nicht integrieren. Aber wenn dann mal alle Ausländer auf einmal weg wären, würde doch einiges an Kultur fehlen.

    Es ist also alles nicht so einfach…

  3. admin sagt:

    @rundumkiel
    Du hast vollkommen recht. Auch integrierte Türken bleiben eben Türken und ich sehe da auch gar kein Problem drin, Deutsche im Ausland bleiben ja auch Deutsche und verhalten sich oft viel schlimmer, als die Türken hier. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

    @Tobi
    Ich glaube selbst Nazis mögen Döner und Pizza ;-)
    Und das mit dem Alter ist ein wichtiges Argument. Womit wir wieder beim thema Bildung und Intelligenz sind. Denn Schule etc. setzt eben bei jungen Menschen an. Und da liegt meiner Ansicht nach einiges im Argen. Und das nicht nur in Bezug auf Migrantenkinder. Denn wie rundumkiel schon geschrieben hat gibt es auch viele Deutsche, die sich nicht integrieren.

    Gruß
    Fulano

  4. Paramantus sagt:

    Ich mag Jugoslawen… :-P

    Aber eines muss ich ebenfalls aufgreifen: Diese “Studie” bezieht sich nur auf Ausländer, wogegen es aber tatsächlich viele Deutsche gibt, die sich ebensowenig in die Gesellschaft integrieren. Ein Freund von mir arbeitet mit Problemkindern und -Jugendlichen. Das sind totale Versager, Schulabbrecher, Gewalttäter und Nichtsnutze mit der größten Null-Bock-Einstellung, die man sich vorstellen kann. Er ist als Lehrer bei einem Verein angestellt, der diese Menschen doch noch irgendwie auf das Leben da draußen vorbereiten möchte. Und worauf ich hinauswill: 90% dieser Kinder und Jugendlichen sind Deutsche…

  5. Tobi sagt:

    @Paramentus: Aber mit Sicherheit, sind die meisten davon NICHT-Schwaben. :D
    Doch du hast recht, das Bildungsniveau ist auch nicht mehr das, was es mal war. Das Abitur wird schlimmer (12 statt 13 Jahre) und ansonsten ist es auch nicht mehr einfach.
    Aber wie willst du das ändern? Durch mehr Nachhilfevereine? Oder sind da die Ursachen nicht doch tiefer?

    Es ist aber wohl mehr oder weniger ein “Gesetz” dass junge Menschen aus einem gebildeten Elternhaus meistens auch eine höhere Bildung haben. Aus weniger gebildeten Elternhäusern werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Kinder nicht so hoch gebildet sein. Außer man tritt den Kindern in den Arsch, damit sie einen Ehrgeiz entwickeln.

    Aber es ist leider alles nicht so einfach.

  6. admin sagt:

    @Paramantus
    Genau das ist es. Derartige Deutsche integrieren sich auch kein bisschen in die Gesellschaft. Viele von denen sprechen übrigens auch nicht wirklich deutsch ;-)

    @Tobi
    Schwaben sprechen auch kein Deutsch ;-)
    Ich glaube die Förderung muss schon vor der Schule anfangen. Denn Kinder, die den Bildungszug einmal verpasst haben, können nur ganz schwer wieder aufspringen.

    Gruß
    Fulano

  7. Tobi sagt:

    Leider haben wir damals bei der Wahl der Weltsprache ganz knapp verloren. Andrerseits ist Englisch und Schwäbisch schon ein wenig ähnlich.

    • admin sagt:

      Fast ein Jahr bis zur Antwort. Das ist eindeutig neuer Negativrekord :-(
      Der Vergleich ist wohl etwas weit hergeholt, aber ich amüsiere mich gerade beim gedanken an eine UN-Sitzung auf schwäbisch :-D
      Gruß
      Fulano

  8. truth sagt:

    Wenn man hier über 30 Jahre lebt und steuern zahlt und trotzdem als Ausländer allein Aufgrund der schönen Haarfarbe bezeichnet wird, sehe ich auch keinen Grund mich zu integrieren.
    das problem sind die einheimichen Deutschen.
    Die suchen nur einen Grund um die kulturlose fremdenfeindlichkeit durch zu setzen.

    • admin sagt:

      Willkommen bei mir.
      Was die Haarfarbe oder allgemein das Aussehen angeht. Das kenne ich. Meine Frau stammt aus der Dominikanischen Republik und dort werde ich auch immer der Ausländer sein. Egal wie gut ich die Sprache spreche oder die Mentalität verstehe. Ich sehe einfach anders aus.
      Meiner Meinung nach kann man sich aber auch als ausländisch aussehender Ausländer integrieren.
      Für mich liegt gerade in dieser Mischung von Kulturen und Rassen der große Vorteil von integration. Schließlich müssen sich gleich und gleich gar nicht erst integrieren.
      Gruß
      Fulano
      P.S. Fremdenfeindlichkeit und Toleranzlosigkeit gibt es zwar in Deutschland. Aber es gibt auch genug Menschen die anders denken und integrieren kann und sollte man sich ohnehin nur bei denen.

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