Jens Lehmann beendet seine Karriere

Und das ist auch gut so!

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Jens Lehmann ist Torwart. Beziehungsweise er war es. Und seit Jahrzehnten bin ich es gewohnt, dass die erfolgreichsten Torhüter Deutschlands durchgeknallte, arrogante und oft egoistische Typen sind. Trotzdem habe ich sie am Ende immer liebgewonnen, auch wenn es wie im Fall Olli Kahn oft Jahre gedauert hat. Bei Jens Lehmann ist das anders, obwohl er ohne Frage ein fantastischer Torhüter war. Er war ein fußballerisches Feindbild und ist es immer noch. Ihm habe ich jeden Patzer und peinlichen Fehler gegönnt, auch wenn mir ich zugegebermaßen bei der WM 2006 eine Auszeit genommen habe.

Warum ist das so? Grundsätzlich habe ich nichts gegen arrogante Spieler, die sich selbst für den Besten der Welt halten. Die daraus resultierende Selbstsicherheit ist auf dem Platz auch oft hilfreich und ich muss mit diesen Typen ja nicht im wahren Leben befreundet sein. Was ich allerdings überhaupt nicht mag, sind Menschen, die ihre Selbstsicherheit dadurch erlangen, dass sie Andere niedermachen. Und aus meiner Sicht ist Jens Lehmann genau so ein Mensch. Statt wie andere Profis zum Ende ihrer Karriere „altersweise“ zu werden, hat Jens Lehmann das Bild des arroganten und unsympathischen Einzelgängers konsequent bis zum Schluss präsentiert.

Besonders deutlich wurde mir das vor wenigen Wochen, als ich vor langer Zeit mal wieder das aktuelle Sportstudio schaute. Statt dort bei seinem letzten Besuch als aktiver Sportler versöhnliche Töne anzuschlagen, nutzte er die große Bühne noch einmal zum Gegenteil. Fröhlich teilte er gegen die aus seiner Sicht zu unerfahrenen René Adler und Tim Wiese aus. Das war noch vor Adlers Verletzung. Auch Tim Wiese bekam natürlich sein Fett weg. Der ist zwar erfahren, aber dann findet Jens eben was anderes.

Und er ist noch lange nicht am Ende. In Kürze wird Lehmann seine Biographie unter dem Titel Der Wahnsinn liegt auf dem Platz veröffentlichen. Die Bildzeitung war so freundlich Teile daraus vorab abzudrucken. Vermutlich als Warnung, denn wer Jens Lehmann nicht genauso sehr liebt, wie er selbst wird beim Lesen aufgrund der peinlichen bis abstoßenden Selbstverliebtheit vermutlich das Kotzen kriegen. Er hätte das Buch auch gleich Ich liebe mich und alle Anderen sind scheiße! nennen können.

In den ersten beiden Auszügen die ich gelesen habe, wurde schon einmal etwas klar. Jens Lehmann war eindeutig besser als Oliver Kahn, der immerhin dreimal Welttorhüter des Jahres war. Noch dazu missbraucht Jens Lehman den Titan als angebliche Ursache für seine Comeback-Gedanken in der Nationalelf. Auch Tim Wiese kriegt noch einmal ordentlich sein Fett weg. Außerdem wird klar, dass Lehmann schon immer größenwahnsinnig war.
Denn als Jens Lehmann sich dafür entschied, Profi zu werden, hatte er kein Vorbild, sondern wollte es gleich besser machen als der große Toni Schuhmacher. Irgendwie warte ich bei ihm nur darauf, dass er von sich in der dritten Person redet wie Lothar Matthäus.

Ich finde derartige Abrechnungen peinlich und unnötig. Olli Kahn hat mal gesagt: Wir brauchen Eier.

Jens Lehmann braucht die sicherlich. Denn hätte er welche, müsste er sich nicht ständig so aufplustern und wichtig machen. Dass es auch anders geht zeigt Bernd Schneider. Schnix war einer der besten deutschen Spieler der letzten Jahrzehnte. Und sogar ich mag ihn, obwohl er die meiste Zeit für Bayer Leverkusen spielte, was für mich als Kölner nur schwer zu tolerieren ist. Bernd Schneider werde ich vermissen. Zu Lehmann kann ich nur sagen:

Schön, dass Du endlich weg bist. Tu uns allen den Gefallen und werde Privatmann, anstatt uns als TV-Experte weiter zu nerven.

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8 Kommentare zu “Jens Lehmann beendet seine Karriere”

  1. rundumkiel sagt:

    Schreibt der echt eine Biografie? Naja, er wäre ja nicht der erste, der nach so einem Druckwerk in der Versenkung verschwindet. Mir fällt da beispielsweise Ulli Stein ein – Ich glaube das hieß “Ich bin der Stein des Anstoßes…” War´n echter Flopp. Auch inhaltlich…

  2. Kiri sagt:

    Fußballer können Bücher schreiben? Echt jetzt? Das verwundert mich jetzt aber. Dachte, die können nur dumm auf Wiesen rumrennen und Dinge treten. Und irgendwelche Mädchen Baujahr ’91 nageln. Hm. Mit was hat der Herr Lehmann denn dann das Buch geschrieben? Mit dem Fuß?

  3. Miki sagt:

    Fußball ist nicht so mein Ding, aber um meinen Liebsten zu beeindrucken, will ich die Namen der Aktiven für die WM pauken. ;-)
    Lehmann ist mir nie so aufgefallen, sag ich mal. Schlicht als Mann betrachtet war er mir symphatischer als O. Kahn, der hat ja wohl die Doofheit mit Schöpfkellen gefressen…wenn man mal sein Leben außerhalb der grünen Wiese sieht….
    Naja, das Volk braucht Brot & Spiele und da ist ebeb genug Raum für Show und Kommerz (was ich doof finde). Ich werd mal unter deinem Gesichtspunkt drauf hören, was man noch so über Lehmann hört… bin ja lernfähig.
    Aber der ätzendste, Hirn- und Augenkrebs verursachende , blödeste Ex Sportler ist der klubschäugige Anti-Typ, der sich schon mal in Besenkammern fortpflanzt *örgs* ….

  4. admin sagt:

    @rundumkiel
    Den Titel von Steins Bio finde ich aber klasse ;-)

    @Kiri
    Was für Vorurteile ;-) Aber der Lehmann war ja schließlich Torhüter. Daher kann er auch mit seinen Händen umgehen.

    @Miki
    Den Namen Lehmann kannst Du in Bezug auf die WM zum Glück schnell wieder vergessen :-)
    Und verspüre ich da eine leichte Borisphobie?

    Gruß
    Fulano

  5. StevenUrkel sagt:

    Ok, das Buch braucht kein Mensch, aber ansonsten fand ich Jens Lehmann immer deutlich erträglicher als Oliver Kahn.
    Vielleicht bin ich da auch voreingenommen. Jens Lehmann ist und bleibt ein Eurofighter, der kann auch nackig im Sportstudio “Alle meine Entchen” singen ;)
    Vielleicht macht er ja einen Trainerschein, dann hast du noch länger Spaß ;) Man muss schließlich auch Feindbilder haben, sonst macht Fußball echt keine Laune.

  6. admin sagt:

    Die Eurofighter sind für mich als Kölner eben keine großen Helden. Und nackig im Sportsudio würde mir der Lehmann fast noch symphatischer werden. ;-)
    Gruß
    Fulano
    P.S. Der soll bloß nicht Trainer werden. Fußballerische Feindbilder gibt es auch so genug.

  7. Sven sagt:

    Habe das Buch gelesen, ist auch nach Nicht-Sportler Maßstäben ausgesprochen gut geschrieben und interessant. Man sollte sich halt nicht so sehr von der Bildzeitung beeinflussen lassen, die einige der provokanteren Passagen raussuchte und diese noch dazu nur gestückelt abdruckte.
    Und auch was Lehmann über Kahn schreibt ist sachlich schlicht und einfach richtig.

    • admin sagt:

      Zuerst einmal willkommen bei mir.
      Ich habe das Buch zugegebenermaßen nicht gelesen. Daher kann ich über die Qualität nichts sagen. Allerdings habe ich ein längeres Interview dazu mit Jens Lehmann gesehen. Und da wirkt er für mich genauso arrogant und unsymphatisch wie immer. Allerdings ist dies meine persönliche Meinung und hat nichts mit der Bild Zeitung zu tun, die Jens Lehmanns Buch übrigens sehr positiv präsentiert hat.
      Was sachlich richtig angeht. Das kann ich sogar glauben. Allerdings ist Lehman auch zu intelligent um da falsche Tatsachen zu verbreiten. Er ist allerdings sehr geschickt darin, nur das zu erwähnen, was ihm in den Kram passt.
      Gruß
      Fulano

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sind unpolitisch, aber nicht immer unparteiisch. Ich schreibe über Dinge, die mir auffallen, gefallen und manchmal auch missfallen. Das ergibt ein buntes Sammelsurium meiner Gedanken. Kommentare dazu sind erwünscht.