Als die Bullen zum ersten Mal klingeln, liege ich noch im Bett.
Ich weiß, dass sie es sind. Wer sollte sonst um diese Zeit bei mir klingeln.
Sie kommen, um mich zu holen. Aber nicht mit Fulano.

Also halte ich mich bedeckt, nicht nur mit der Bettdecke. Noch versuchen sie es nicht besonders nachdrücklich. Ich warte, bis ich keine Geräusche mehr vor der Tür höre und erhebe mich lautlos. Nur um sicherzugehen bewege ich mich unauffällig zum Fenster. Hinter dem Vorhang natürlich, um von außen nicht gesehen zu werden.
Ich bin ja kein Amateur.

Der dezente Blick auf die Straße bestätigt meine Vermutung. Die Polizei hat die Straßenecken schon abgeriegelt. Aus strategisch günstiger Position haben sie alles im Blick. Mich zum Glück noch nicht.
Es gilt, Ruhe zu bewahren.
Aber ich weiß, sie werden wiederkommen.

Die Kaffeemaschine ist verdammt laut, aber ich brauchte den Stoff um aufmerksam zu bleiben. Ich habe noch zu tun. Deswegen kann ich auch nicht weg. Mittlerweile kommt es über alle Medien. Egal ob Internet, Radio oder Fernsehen. Die Schlinge zieht sich langsam zu.

Drei Stunden später: Wieder klingelt es an der Haustür. Fernseher aus, damit nichts zu hören ist. Eine Decke vor der Tür verhindert, dass sie meinen Schatten unter der Tür sehen könnten. Nur für den Fall. Vielleicht würden sie ja auch diesmal gar nicht bis zur Wohnungstür kommen.
Doch sie kommen. Und diesmal klingeln sie Sturm. Ich bleibe cool. Nicht bewegen, keinen Lärm machen und vor allem diesen verdammten Niesreiz unterdrücken.
Es juckt höllisch. Aber ich höre sie immer noch im Treppenhaus. Dann endlich fällt die Haustür ins Schloss.

HAATTTTSCHIIIIIIIIIII!

Verdammt war das laut. Konnten die das sogar vor dem Haus hören?
Panische Blicke von hinter dem Vorgang. Glück gehabt. Sie beziehen wieder Posten an der Straßenecke. Aber es scheinen noch mehr geworden zu sein. Ich sehe überall nur Uniformen.

30 Minuten später: Wieder klingeln sie Sturm. Der Rhythmus steigert sich. Diesmal kommen sie allerdings nicht mehr bis ins Treppenhaus. Vielleicht habe ich sie tatsächlich getäuscht. Ich beginne mich langsam sicher zu fühlen.
Aber nur für eine Viertelstunde. Dann setzen sie sogar Hubschrauber ein. Erneute Panikattacke. Können die vom Hubschrauber durch mein Fenster sehen. Ich schiebe meinen Schreibtischstuhl zur Sicherheit etwas zurück. Und was ist mit dem Typen auf dem Parkhausdach? Ist das auch ein Bulle? Beobachtet er mich durch ein Fernglas?

15:30 Uhr: Aus dem Radio erfahre ich, dass das Gebiet nun weiträumig abgeriegelt ist. Hunderte Polizisten sind im Einsatz.
Und jetzt soll es ernst werden…

Kurze Zeit später entschärfen Spezialkräfte die Situation.
Die Bullen ziehen ab und ich bin davon gekommen.

Fulano ist eben nicht so leicht zu kriegen.

P.S. Für alle die sich wundern.
Bei uns in Köln wurde eine riesige Bombe aus dem zweiten Weltkrieg entschärft. Unser Haus gehörte zu denen, die evakuiert werden sollten. Obwohl ich auf der anderen Rheinseite und fünf Häuserzeilen vom Fundort entfernt wohne. Vielleicht hätte ich mich ja unsicherer gefühlt, wenn die Evakuierungszone nicht direkt hinter unserem Haus geendet hätte. Und wenn im dortigen nicht evakuierten Kindergarten nicht den ganzen Tag die kleinen Schreihälse im Garten gespielt hätten.
Also musste ich auf Tauchstation gehen.

Foto: © Eduard Bopp / upgradecologne.de