Urlaub vom Gehirn

Beste Aussichten

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Unzählige Male habe ich mich über deutsche Touristen in der Dominikanischen Republik aufgeregt.  Nach zwei Wochen glauben sie immer noch, die Landeswährung wäre nicht Pesos sondern Dollar, haben das Resort nie verlassen und das einzige was sie an Kulturprogramm mitgemacht haben, war dass allabendliche Animationsprogramm.

Meine Frau kommt aus der Dominikanischen Republik, ich habe dort gearbeitet, spreche die Sprache, und kenne die Mentalität. Natürlich bin ich nicht nur in der Dominikanischen Republik gewesen. In den letzten Jahren bin ich auf dem Kamelrücken durch die Wüsten Usbekistans geritten, habe auf Machu Picchu die Anwesenheit der Inkagötter gespürt, im Amazonasdschungel Piranhas geangelt, in Salvador da Bahia, der schwarzen Hauptstadt Brasiliens portugiesisch gelernt und war auf einer italienischen Hochzeit im Süden Apuliens. Bin ich deswegen ein besserer Tourist? Ich dachte schon.

Zumindest bis ich vor wenigen Wochen mit meiner Frau einen einwöchigen Aufenthalt in einem All-Inclusive Hotel in Ägypten gebucht habe. Super-Last-Minute, daher war der Preis ziemlich gut. Alles was wir über das Hotel wussten, war die extrem positive Bewertung bei holidaycheck.de und die ebenfalls extrem positive Wettervorhersage auf wetter.com. Von unserem Urlaubsort selbst hatten wir keine Ahnung.

Viel mehr wissen wir nach einer Woche Urlaub dort nun auch nicht. Wir haben das Hotel nicht ein einziges Mal verlassen.  Warum auch, dort hatten wir alles was wir brauchten und vor der Tür lauerten nervige Andenkenverkäufer.  Was also haben wir in dieser Woche gemacht? Tja, wir waren schwimmen, schnorcheln und lagen in der Sonne. Hauptsächlich aber haben wir getrunken, gegessen und geschlafen, teilweise glücklicherweise auch miteinander.  Die Cocktails waren wirklich lecker und bei fast vierzig Grad im Schatten noch dazu erfrischend. Es sprach also nichts dagegen, nach dem Frühstück, wenn wir es schafften, dafür aufzustehen, mit einem Caipirinha in den Tag zu starten.  Um zu variieren, haben wir auch gerne mal zu Caipiroska oder auch zu Cuba Libre gewechselt. Um dann mit einem letzten Caipi den Tag so zu beenden, wie er begonnen hat.

Wir mussten uns ja um nichts kümmern, da war ein klarer Kopf nicht so wichtig. Trotz meiner Skepsis gegenüber der nordafrikanisch-arabischen Basarmentalität war der Service in unserem Hotel fantastisch. Mohamed war ein aufmerksamer und liebenswerter Kellner und Ramadan mixte trotz seines wenig alkoholisch klingenden Namens die besten Cocktails. Natürlich gab es auch Ausnahmen. Atef beispielsweise bestätigte alle meine Vorurteile gegenüber Nordafrikanern. Er war schmierig, aufdringlich und redete zu oft und im falschen Moment. In jedem normalen Urlaub hätte ich ihn spätestens am zweiten Tag mehr oder weniger sanft zurechtgewiesen. Doch nicht dieses Mal. Dank der Cocktails gelang es mir über seine nervtötende Art einfach hinwegzusehen. Als er dann darum bat, Telefonnummern auszutauschen, habe ich ihm völlig entspannt und freundlich lächelnd einfach eine frei erfundene Kölner Nummer aufgeschrieben. Falls also irgendein Kölner seit kurzem durch permanente Anrufe aus Ägypten belästigt wird, tut es mir aufrichtig leid.

Und ansonsten? Ägypten verfügt über eine fast fünftausend Jahre alte beeindruckende Geschichte. Die Pyramiden und das Tal der Könige sind dafür noch heute gewaltige steinerne Zeugen. Haben wir sie gesehen? Natürlich nicht, schließlich befanden sie sich nicht auf dem Hotelgelände. Haben wir sonst etwas von der Kultur Ägyptens mitbekommen?  Ja, ganz eindeutig, denn ich habe Wasserpfeife mit Apfeltabak geraucht. Und das nicht nur einmal. Das war es dann aber auch schon. Als wir zurückkamen fragte mich mein Vater, wo genau auf der Karte unser Urlaubsort war. Ich hatte keine Ahnung und es war mir erstaunlicherweise egal.

Alles in allem war es der ignoranteste Urlaub, den ich jemals gemacht habe.  Hat nicht Einstein einmal gesagt, der Mensch nutze nur zehn Prozent seines Gehirns? In diesem Urlaub waren es höchstens fünf Prozent. Um es ganz ehrlich zu sagen, war ich genauso wie die Touristen, die ich früher in der Dominikanischen Republik immer so kritisiert habe und es war toll. Ich bin noch nie im Urlaub so entspannt gewesen. Scheinbar sind dumme Menschen tatsächlich glücklicher. Zumindest für einen Urlaub kann ich das Dummsein jedenfalls wärmstens empfehlen.

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3 Kommentare zu “Urlaub vom Gehirn”

  1. Don M sagt:

    Du hast völlig recht. Manchmal muss man sein Gehirn auch mal zuhause lassen.

  2. Da hast du wahrlich wahre Worte gesprochen,
    wenn ich Kultur will fahr ich mit dem Rad durch
    die Sächsische Schweiz das ist entspannend und
    Günstig sowie Kulturellen Mehrwert. Will ich aber
    Urlaub machen, und mal so richtig abschalten
    dann fahr ich 7 Tage Antalya oder Malle All/in
    das ist günsstig und macht Spass. Manchmal
    muss das einfach mal sein.
    cu an other time
    on an other place

    der bagalutenGrego

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Fulanos Worte

sind unpolitisch, aber nicht immer unparteiisch. Ich schreibe über Dinge, die mir auffallen, gefallen und manchmal auch missfallen. Das ergibt ein buntes Sammelsurium meiner Gedanken. Kommentare dazu sind erwünscht.